Seine Liebe hält mich fest...!
Seit 17 Tagen greift die Islamische Republik Iran im Zuge der anhaltenden friedlichen Proteste auf alle verfügbaren Mittel der Repression zurück – vom Einsatz scharfer Munition gegen Demonstrierende bis hin zur Nutzung von Drohnen, um Angst zu verbreiten, Menschen zu identifizieren und den Gewalteinsatz zu intensivieren.
Seit fast 140 Stunden sind Internet und andere Kommunikationsmittel, darunter Mobiltelefone, landesweit unterbrochen. Unter dem Schutz dieser Informationssperre geht der Staat mit tödlicher Gewalt gegen Protestierende vor. Dennoch haben die wenigen verbliebenen Kommunikationswege geholfen, zumindest einen Teil der begangenen Verbrechen offenzulegen – darunter den Einsatz militärischer Waffen und Drohnen gegen Zivilisten.
Am Abend des 10. Januar 2026 (20. Dey 1404) hörten Demonstrierende im Teheraner Stadtteil Punuk das Summen einer Drohne über der Menge. Wenige Minuten später verstärkte sich die Präsenz der Sicherheitskräfte massiv. Ähnliche Berichte liegen aus mehreren Stadtteilen Teherans und anderen Städten vor: Zuerst erscheinen Drohnen zur Erkundung – kurz darauf folgt der Angriff.
Auch aus Ekbatān, der Shariati-Straße und weiteren Vierteln wurden vergleichbare Beobachtungen gemeldet.
Nach Informationen von IranWire patrouillierten am 9. Januar 2026 in Shahriar Drohnen über den Protesten und schossen auf Personen auf der Straße. Ein Augenzeuge berichtete:
„Noch vor Einbruch der Dunkelheit hörten wir die Drohnen. Sie kamen näher und feuerten auf die Menschen – egal ob Passanten oder Protestierende.“
Mindestens drei Personen seien vor seinen Augen getroffen worden. Eine unabhängige Verifizierung ist aufgrund der Kommunikationssperre nicht möglich, doch ähnliche Berichte stammen auch aus anderen Städten.
„Maryam“, 58 Jahre alt aus dem Teheraner Stadtteil Pasdaran, nahm am 8. und 9. Januar an Protesten im Westen Teherans teil. Am Morgen des 10. Januar erhielt sie einen Anruf von einer unterdrückten Nummer. Der Anrufer erklärte, man habe Videoaufnahmen von ihr und drohte mit Festnahme bei erneuter Teilnahme an Protesten.
Sie berichtet, am Vorabend Drohnen über der Demonstration gehört zu haben. Ähnliche Drohanrufe erhielten auch Protestierende in Saadatabad, Punuk, Narmak, im Zentrum Teherans sowie in Rasht.
Bereits am 5. Januar 2026 hatte das iranische Geheimdienstministerium erklärt, mithilfe von Drohnen Protestierende zu identifizieren. Wenige Tage später kündigte auch der Geheimdienst der Polizei an, Drohnen zur „Identifikation, Verwarnung und Festnahme“ einzusetzen.
Aus zahlreichen Städten – darunter Isfahan, Rasht, Shiraz, Teheran, Mahabad, Bukan, Marivan und Sanandaj – wird über Hausdurchsuchungen zur Beschlagnahmung von Satellitenschüsseln berichtet. Augenzeugen sagen, kurz zuvor seien Drohnen über den Wohnvierteln geflogen.
„Behzad“ aus Shiraz berichtet:
„Gegen 11 Uhr hörten wir eine Drohne sehr tief über dem Viertel. Zwei Stunden später kamen die Sicherheitskräfte und nahmen fast alle Satellitenschüsseln mit.“
Auch aus Teheran und Rasht liegen übereinstimmende Berichte vor. Sicherheitskräfte seien maskiert, ohne richterliche Anordnung und mit Fahrzeugen der Revolutionsgarden aufgetreten.
Während staatliche Medien diese Vorfälle dementieren, zeichnen die zahlreichen Zeugenaussagen ein anderes Bild.
Mit jeder neuen Information wird deutlicher, wie umfassend der Staat militärische Technologien einsetzt, um jede Form von Protest zu unterdrücken – selbst in Wohngebieten und hinter verschlossenen Türen.