Seine Liebe hält mich fest...!
Der staatliche Rundfunk der Islamischen Republik (IRIB) drohte in einem Videobericht sogenannten „Prominenten“, die die Proteste im Januar 2026 (Dey 1404) unterstützt hatten, mit einer „bitteren Reaktion des Volkes“. In dem Beitrag schrieb das Staatsmedium, die „Anstifter der Bevölkerung“ würden „auf dem Müllhaufen der Geschichte landen“.
In dem Videobericht wird ohne jede Erwähnung der Repressionen und der Tötung von Demonstrierenden behauptet, die Sicherheitskräfte hätten „mit großer Zurückhaltung“ gehandelt und seien bemüht gewesen, die Bevölkerung von „terroristischen Elementen“ zu trennen, ohne hart gegen Demonstrierende vorzugehen.
Diese Darstellung steht im klaren Widerspruch zu Aussagen von Augenzeug:innen, Familien der Getöteten sowie von Teilnehmenden der Proteste, die berichten, dass Sicherheitskräfte der Islamischen Republik – darunter Polizei, Zivilkräfte, Basij-Milizen und Einheiten der Revolutionsgarden – mit scharfer Munition auf Demonstrierende geschossen haben.
Augenzeugenberichte zeichnen ein erschütterndes Bild der Niederschlagung der Proteste, insbesondere in den Nächten von Donnerstag, dem 8. Januar, und Freitag, dem 9. Januar 2026 (18. und 19. Dey 1404). Die veröffentlichten Bilder von Leichen im gerichtsmedizinischen Zentrum Kahrizak stammen vom Samstag, dem 10. Januar 2026 (20. Dey).
Seit Beginn der Proteste im Januar 2026 haben zahlreiche Künstler:innen und Prominente im Iran ihre Unterstützung für die Demonstrierenden zum Ausdruck gebracht. Darunter befanden sich auch Persönlichkeiten, die bei früheren Protestbewegungen öffentlich geschwiegen hatten.
Angesichts der landesweiten Internetsperre und von Berichten über eine beispiellose Repressionswelle mit tausenden Toten und Verletzten deutet vieles darauf hin, dass mit dem Bericht des Staatsfernsehens der Auftakt zur juristischen Verfolgung prominenter Unterstützer:innen der Proteste gemacht wurde.
Nach vorliegenden Informationen wird die Lage in vielen Städten in den vergangenen Tagen als hochgradig sicherheitsdominiert beschrieben. Sicherheitskräfte der Islamischen Republik gehen demnach von Haus zu Haus, um zusätzlich zur Informationssperre auch Satellitenanlagen zu beschlagnahmen und so die Kommunikation der Bevölkerung mit dem Ausland vollständig zu unterbinden.
Mehr als eine Woche nach Beginn der Internetsperre bleiben Ausmaß und Details der Repressionen weiterhin unklar; auch Informationen über Festgenommene und Verletzte sind nach wie vor von großer Unsicherheit und Intransparenz geprägt.