Seine Liebe hält mich fest...!
Ein Augenzeuge, der an den Protesten am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, und Freitag, dem 9. Januar 2026 in Teheran teilgenommen hat, schildert erschütternde Szenen von direktem Beschuss, Stürmen auf Wohnhäuser, dem Abtransport von Leichen aus den Straßen und einer Atmosphäre der totalen Angst nach der Abschaltung des Internets.
Nach seinen Angaben war die Straße Eskandar-e Shomali am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, eines der Zentren der Proteste. Mit dem Eintreffen der Sicherheitskräfte und dem Beginn der Schüsse versuchten Demonstrierende, irgendwo Schutz zu finden:
„Wir rannten in ein Haus. Wir dachten, sie würden uns dort nicht erreichen. Doch plötzlich traten sie die Tür ein und stürmten brutal hinein. Sie riefen religiöse Parolen. Es spielte keine Rolle, wer man war oder wie alt. Schlagstöcke, Schrotmunition – vor meinen Augen wurden mehreren Menschen die Köpfe zertrümmert. Die einzige Chance zu überleben war, unter anderen Körpern liegen zu bleiben. Der Hof war voller Blut. Niemand wagte es, ins Krankenhaus zu gehen.“
Am Freitag, dem 9. Januar 2026, schloss sich der Augenzeuge erneut den Protesten an – diesmal im Bereich der Azadi-Straße und des Viertels Jeyhun:
„Der Freitag war die Hölle auf Erden. Das Maschinengewehrfeuer hörte keine Sekunde auf. Plötzlich waren wir eingekesselt. Es gab keinen Fluchtweg. Wir versteckten uns in einem Wohnhaus und saßen dort fast zwei Stunden zusammengekauert. Wir trauten uns nicht einmal, aus dem Fenster zu schauen. Der Boden war voller Leichen.“
Besonders schockierend sei gewesen, wie schnell die Leichen aus den Straßen entfernt wurden:
„Es dauerte keine ein oder zwei Stunden. Kleintransporter kamen. Es wirkte wie eine Vertuschungsaktion. Die Leichen wurden hastig vom Asphalt eingesammelt und abtransportiert.“
Seit dem Abend des 8. Januar 2026 hat die Islamische Republik durch die vollständige Abschaltung des Internets und der Kommunikationsnetze eine massive Repressionswelle in Teheran und anderen Städten eingeleitet. Aufgrund dieser Blockade erreichen Berichte und Zeugenaussagen die Öffentlichkeit nur stark verzögert.
Menschenrechtsorganisationen, medizinisches Personal und Protestierende berichten übereinstimmend von einer sehr hohen Zahl an Toten und Verletzten. Nach vorliegenden Belegen setzten Sicherheitskräfte scharfe Munition gegen Demonstrierende ein, während die Regierung behauptet, Zivilisten seien in „Kämpfen mit bewaffneten Terroristen“ ums Leben gekommen.
Am Montag, dem 26. Januar 2026, erklärte Hossein Kermanpour, Leiter der Pressestelle des iranischen Gesundheitsministeriums, dass innerhalb von sechs Tagen mehr als 3.000 Verletzte der Proteste medizinische Einrichtungen aufgesucht hätten.
Viele Betroffene seien zuvor aus Angst vor Festnahmen in ihren Wohnungen behandelt worden. Gleichzeitig berichten medizinische Fachkräfte aus mehreren Städten – darunter Teheran, Ilam, Isfahan und Maschhad – von Razzien der Sicherheitskräfte in Krankenhäusern. Dabei seien Verletzte, Begleitpersonen sowie in einigen Fällen auch Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal festgenommen worden.
Menschenrechtsorganisationen sprechen inzwischen von tausenden Getöteten und Verletzten im Zusammenhang mit den Protesten im Januar 2026 – Zahlen, die angesichts der anhaltenden Repression und der Kommunikationssperren bislang nicht vollständig unabhängig überprüft werden können.