Ein verborgenes Imperium im Schatten der Armut: Was Bloomberg über das Finanznetzwerk von Mojtaba Khamenei enthüllt

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Moya Yarrahi

Seine Liebe hält mich fest...!

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Ein neuer investigativer Bericht von Bloomberg zeichnet ein Bild, das viele Iraner kaum überraschen dürfte – dessen Ausmaß und Mechanik jedoch schockierend sind: Über mehr als ein Jahrzehnt sei ein komplexes Netzwerk aus Briefkastenfirmen, Mittelsmännern und Bankkonten aufgebaut worden, um ein weitverzweigtes Immobilien- und Investmentimperium in Europa und im Nahen Osten zu schaffen. Dieses Netzwerk wird in dem Bericht Mojtaba Khamenei, dem Sohn des iranischen Revolutionsführers, zugeschrieben.

Während Armut und wirtschaftlicher Druck im Iran zunehmen und Proteste blutig unterdrückt werden, zeigt der Bericht, wie Gelder, die laut Quellen aus dem Verkauf iranischen Öls stammen, über Banken in Großbritannien, der Schweiz, Liechtenstein und den Emiraten in westliche Märkte gelangten. Ein zentraler Teil dieses Vermögens steckt demnach in Luxusimmobilien in London – darunter Häuser in der berühmten Bishops Avenue, auch „Billionaires’ Row“ genannt, die oft leer stehen und hinter hohen Zäunen verborgen sind.

Bloomberg betont, dass keine dieser Immobilien direkt auf den Namen Mojtaba Khamenei registriert ist. Dennoch, so Quellen und sogar die Einschätzung eines westlichen Geheimdienstes, habe er „direkt an den Transaktionen mitgewirkt“. Einige dieser Geschäfte lassen sich bis mindestens 2011 zurückverfolgen. Stattdessen taucht immer wieder der Name Ali Ansari auf, ein einflussreicher iranischer Geschäftsmann, der von Großbritannien sanktioniert wurde.

Ansari spielt in diesem Geflecht eine Schlüsselrolle. Bloomberg beschreibt ihn als zentrale Figur eines großen Wirtschaftsimperiums im Iran, zu dem unter anderem das Megaprojekt „Iran Mall“ und die Privatbank „Ayandeh“ gehörten, die laut Bericht 2025 kollabierte. Mojtaba Khamenei soll bei diesen Projekten eine maßgebliche Rolle gespielt haben, und es soll wiederholt zu vertraulichen Treffen zwischen beiden gekommen sein.

Zur Verschleierung von Geldflüssen und Eigentumsverhältnissen wurden Firmen in Offshore-Gebieten wie St. Kitts und Nevis sowie Konstruktionen in den Emiraten genutzt. Bloomberg verweist sogar auf Swift-Nachrichten, die belegen sollen, wie Geld über Zwischenstationen verschoben wurde. Hinzu kommt, dass Ansari durch den Erwerb eines zypriotischen Passes seine Aktivitäten in Europa erleichtern konnte.

All dies steht in deutlichem Kontrast zu dem offiziellen Bild der „bescheidenen und asketischen Lebensweise“, das iranische Staatsmedien vom Revolutionsführer und seiner Familie zeichnen. Selbst wenn es keine Belege für persönlichen Luxus gibt, bleibt die Existenz eines solchen verborgenen Reichtums in einem verarmenden Land politisch und moralisch brisant.

Bloomberg ordnet den Fall auch in den größeren Kontext der Nachfolgefrage und der strategisch geschwächten Lage Teherans ein: eine Wirtschaft unter Sanktionsdruck, militärische Rückschläge und ein geschwächter regionaler Einfluss. Zugleich zeigt der Bericht die Schwächen des globalen Finanzsystems auf – insbesondere bei der Transparenz über wirtschaftlich Berechtigte und bei der Durchsetzung von Sanktionen.

Ansari bestreitet über seinen Anwalt jede finanzielle oder persönliche Verbindung zu Mojtaba Khamenei. Von Khamenei selbst gab es keine Stellungnahme. Experten warnen jedoch, dass europäische Immobilienmärkte nicht zu sicheren Häfen für Vermögen aus autoritären und repressiven Systemen werden dürfen.

Am Ende geht es in diesem Fall nicht nur um einige Luxusimmobilien oder Konten. Es geht um ein System, in dem der Reichtum eines krisengeplagten Landes lautlos in sichere Anlagen im Herzen Europas verwandelt werden kann – genau dort, wo eigentlich Transparenz und Rechtsstaatlichkeit herrschen sollten.

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