Seine Liebe hält mich fest...!
Die Veröffentlichung von Berichten über geheime Hinrichtungen und außergerichtliche Todesfälle in den vergangenen Tagen sowie die Beobachtungen eines Leichenwäschers, der auf einem Friedhof in der Provinz Teheran arbeitet, deuten auf eine neue Phase der Repression in der Islamischen Republik hin: systematische Vergeltung anstelle bloßer Unterdrückungsverwaltung — und die Transformation von Haftanstalten von Kontrollinstrumenten zu Orten der Eliminierung.
Vereinzelte Belege und Erzählungen, die nur mühsam die Zensur und Internetfilter überwinden und Medien erreichen, legen nahe, dass das Töten von Bürgern im Iran in unterschiedlichen Formen weitergehen könnte.
Eine der erschütterndsten dieser Schilderungen, die kürzlich Iran International erreichte, stammt aus dem Bericht eines Journalisten im Inland, der von einem Gespräch mit einem Leichenwäscher auf einem Friedhof in der Provinz Teheran berichtet.
Der Journalist traf diesen Mann am Dienstag, dem 27. Januar (7. Bahman). Jemand, der entgegen seiner beruflichen Gewohnheit, täglich mit dem Tod konfrontiert zu sein, dieses Mal als „gebrochen und von Tränen überwältigt“ beschrieben wurde.
Die Bedeutung dieser Erzählung liegt jedoch nicht allein in ihrer emotionalen Wucht, sondern in einem grundlegenden Widerspruch: zwischen dem, was erfahrene Fachkräfte anhand der Frische eines Körpers erkennen können — und dem, was die offizielle staatliche Darstellung Familien und Öffentlichkeit mitteilt.
Menschen wie Gerichtsmediziner oder Leichenwäscher, die beruflich mit Leichnamen arbeiten, entwickeln über Jahre hinweg ein Erfahrungswissen, das ihnen erlaubt, den Todeszeitpunkt grob einzuschätzen — auch ohne Laboruntersuchungen.
Anhand äußerer Veränderungen, Verwesungsstadien und typischer Zeitmerkmale können sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen, wie viele Tage seit dem Tod vergangen sind.
Dieses angesammelte Erfahrungswissen wird in manchen Fällen zu einer Realitätprüfung — dort, wo administrative Todesnarrative der sichtbaren Evidenz nicht standhalten.
Laut Bericht warnte der Leichenwäscher, dass bis zu den Tagen um den 28. Januar Körper übergeben worden seien, deren Zustand nicht mit der offiziellen Angabe übereinstimmte, sie seien bereits seit Wochen tot und im Kühlhaus gelagert gewesen.
In einem zitierten Gespräch sagte er:
„Wir sehen seit Jahren jede Art von Leiche. Unfallopfer, Herzinfarkte — die äußeren Merkmale unterscheiden sich. Heute haben sie uns einen Körper gebracht, man sieht, dass nicht einmal zwei Tage seit dem Tod vergangen sind. Aber sie sagen, er sei 15 Tage im Kühlhaus gewesen, weil er unbekannt war. Wir verstehen das! Es ist offensichtlich, dass sie einem jungen Menschen kürzlich in den Kopf geschossen haben — und schamlos behaupten, er habe 15 Tage im Kühlhaus gelegen.“
Selbst wenn eine einzelne Erzählung nicht genügt, um ein landesweites Muster zu beweisen, erfüllt sie eine zentrale Funktion: Sie zeigt die Grenzen der staatlichen Leugnung.
Der Repressionsapparat versucht, die Wahrheit in bürokratischen Schichten zu verbergen — in intransparenten Berichten, Protokollen, manipulierten gerichtsmedizinischen Dokumenten oder standardisierten Narrativen über „unbekannte Leichen“.
Doch der Todeszeitpunkt bricht aus dem Körper selbst hervor — und stellt die offizielle Darstellung infrage.
Ein Körper, der Zeichen eines frischen Todes trägt, lässt die zeitliche Konstruktion des Sicherheitsapparats kollabieren — jene Konstruktion, die den Todeszeitpunkt nach hinten verlegen soll, um ihn vom Kontext der Repression zu entkoppeln.
Doch es geht nicht um einen einzelnen Leichnam oder einen einzelnen Friedhof — sondern um die Logik einer neuen Repressionsphase.
In der ersten Phase der Repression besteht das Ziel meist darin, durch Angst die Straße zu kontrollieren.
Doch wenn ein Staat zu dem Schluss kommt, dass gewöhnliche Abschreckung nicht mehr wirkt, verschiebt sich die Logik: von Kontrolle zu Eliminierung.
Haftanstalten werden nicht länger Orte der Verwahrung, sondern Endpunkte — nicht zwingend durch formale Urteile, sondern durch den Ausgang Tod.
In diesem Rahmen stehen auch jüngste Menschenrechtsberichte.
Die Organisation „Human Rights Iran“ erklärte, sie habe mehrere Berichte erhalten, wonach verletzte Demonstranten in Haft entweder durch Genickschüsse getötet oder bewusst medizinischer Versorgung beraubt worden seien, bis sie starben.
Zudem lägen „glaubwürdige, aber noch nicht bestätigte“ Hinweise auf geheime Hinrichtungen von Gefangenen in mehreren Gefängnissen vor.
Hier geht die Analyse über das Maß der Gewalt hinaus — hin zur Botschaft der Gewalt.
Genickschüsse oder medizinische Verweigerung mit Todesfolge bedeuten nicht nur Eskalation, sondern die Transformation von Repression in systematische Vergeltung.
Die implizite Botschaft lautet: Der Staat hat die Abschreckungsphase hinter sich gelassen.
Das bloße Überleben eines Demonstranten wird bereits als Niederlage verstanden.
Wenn soziale Kontrolle schwindet, wird physische Eliminierung zum Mittel, die Kosten des Widerstands an die Grenze des absoluten Nichts zu treiben.
So verwandelt sich Repression in ein „Spiel von Leben und Tod“, in dem jeder getötete Demonstrant als Verlängerung staatlicher Haltbarkeit erscheint.
Die Tötung von Gefangenen — selbst während angeblicher Freilassungsverfahren — weist auf ein strukturelles Muster hin, nicht auf Einzelfehler.
Ein Beispiel ist Mohammadamin Aghilizadeh, ein festgenommener Jugendlicher aus Fooladshahr bei Isfahan.
Während seine Familie versuchte, eine Kaution von 400 Millionen Toman aufzubringen, wurde ihnen nach einiger Zeit sein Leichnam übergeben — mit sichtbaren Einschussverletzungen am Kopf.
In einem anderen Fall wurde Javad Malavardi, der bei Protesten am 9. Januar in Karaj durch Schrot verletzt worden war, nach seiner Festnahme ins Gefängnis Qezel-Hesar gebracht. Später fand seine Familie seinen Körper auf dem Friedhof „Behesht-e Sakineh“.
Die Kombination aus relativ leichter Verletzung und anschließender Leichenübergabe markiert denselben Bruch, den auch der Leichenwäscher beschreibt: den Bruch zwischen unglaubwürdiger offizieller Darstellung und sichtbarer Realität.
Auch international wächst die Besorgnis über den instrumentellen Einsatz der Todesstrafe.
Die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte im Iran warnte, Berichte über mögliche Hinrichtungen von Demonstranten würden aufmerksam verfolgt, und erklärte:
„Die Todesstrafe ist zu einem Instrument geworden, mit dem staatliche Stellen Angst in der Gesellschaft verbreiten.“
Im Inland verstärken Aussagen politischer Funktionäre diese Wahrnehmung — darunter Forderungen nach Massenhinrichtungen von Festgenommenen.
So entsteht der Eindruck, dass Tod selbst zur Regierungsstrategie geworden ist — nicht mehr als bloße Sicherheitsreaktion, sondern als Herrschaftslogik in der Krise.
Eine Logik, in der Machterhalt nicht durch Zustimmung oder Steuerung, sondern durch Angstproduktion und blutige Eliminierung von Protestträgern verfolgt wird.
In diesem Kontext sind die Berichte des Leichenwäschers — und ähnliche Zeugnisse — deshalb so bedeutsam, weil sie zeigen:
Selbst in den dunkelsten Schichten der Geheimhaltung findet Realität ihren Weg an die Oberfläche.
Nicht immer durch offizielle Dokumente —
sondern durch Körper, die die Spuren der Zeit tragen
und damit die Lüge entlarven.