Seine Liebe hält mich fest...!
Lagerhallen waren lange Orte am Rand unseres Alltags – funktionale Räume zur Aufbewahrung von Waren. Doch im blutigen Januar 2026 wandelten sie sich zu Knotenpunkten der Repressionsmaschinerie. Durch eine systematische Umnutzung wurden sie von Warenlagern zu Sammel- und Haftorten für Protestierende. Berichten und Zeugenaussagen zufolge dienten sie zudem als Orte zur Aufbewahrung zahlreicher lebloser Körper.
Diese Transformation war mehr als eine physische Verlagerung – sie stellte eine Strategie der Macht dar, einen „Ausnahme-Raum“ zu schaffen: einen Ort, an dem der Protestierende nicht mehr als Bürger mit Rechten, sondern als namenlose Entität behandelt wird. Die strukturellen Eigenschaften der Hallen – Größe, Abgeschiedenheit, geringe öffentliche Kontrolle – wurden gezielt genutzt. Während Gewalt auf der Straße sichtbar ausgeübt wurde, verlagerte sich ihr unsichtbarer Teil in die geräuscharmen Räume industrieller Infrastruktur.
Die Umnutzung der Hallen bedeutete eine Verschiebung der Stellung des Menschen hin zur Logik der Ware. Besonders drastisch zeigte sich dies in der Logistik des Umgangs mit Leichnamen. Der Einsatz gekühlter Transportcontainer aus der Fleisch- und Milchindustrie reduzierte Bestattungsprozesse auf eine Art „Bestandsverwaltung“.
Familien waren gezwungen, ihre Angehörigen unter zahlreichen anonymen Körpern zu suchen – eine Erfahrung, die einer psychischen Folter gleichkam. Der Ort der Trauer wurde zum Ort administrativer Abwicklung.
Nach teilweiser Wiederherstellung des Internets verbreiteten sich Videos aus der Gerichtsmedizin Kahrizak, aus Hallen des Behesht-e Zahra Friedhofs sowie aus Krankenhäusern. Sie zeigten übereinandergestapelte Leichname. Die Berichte ähnelten sich: große Zahlen von Toten, Transport in Containern, verzweifelte Familien auf der Suche nach Identifikation.
Beispiele wie der 19-jährige Mohammad-Mehdi Khanmohammadi, der im Januar 2026 in Karaj erschossen wurde, oder Benyamin Eghdami, dessen Körper ebenfalls in diesen Hallen gefunden wurde, stehen stellvertretend für viele ähnliche Schicksale.
Berichte deuten darauf hin, dass Hallen nicht nur zur Aufbewahrung von Leichnamen, sondern auch als Haftorte genutzt wurden. Verletzte Gefangene sollen ohne medizinische Versorgung in Hallen von Gefängnissen untergebracht worden sein. Auch Masseninhaftierungen von Protestierenden in industrieähnlichen Einrichtungen wurden geschildert.
Diese Entwicklung deutet auf ein repressives Muster hin: die Schaffung informeller Haftorte außerhalb klassischer Gefängnisstrukturen.
Parallel dazu kam es im Februar 2026 zu einer auffälligen Serie von Bränden in Lagerhallen. Innerhalb weniger Tage wurden mehrere Feuer gemeldet – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Einige Brände ereigneten sich in Regionen mit vorherigen Protestschwerpunkten.
Diese zeitliche und räumliche Korrelation nährt Spekulationen über mögliche Spurenbeseitigung, auch wenn direkte Beweise fehlen. Widersprüchliche Angaben von Behörden verstärkten zusätzliche Zweifel.
Die Gesamtheit der Berichte legt nahe, dass Lagerhallen Teil einer organisierten Infrastruktur der Repression geworden sein könnten. Die Nutzung industrieller Logistik und kaum überwachter Räume erschwert die Nachverfolgung von Vermissten erheblich.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Mangels unabhängiger Daten bleiben Teile dieser Analyse hypothetisch und bedürfen weiterer Untersuchung durch neutrale Institutionen. Doch die Häufung der Berichte, Zeugnisse und Ereignisse wirft Fragen auf, die nicht einfach im Rauch verbrannter Hallen verschwinden.