Der Nebel des Krieges: Wie könnten die USA Iran angreifen?

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Moya Yarrahi

Seine Liebe hält mich fest...!

202020220

Ein Blogartikel

Das Bild des Krieges beginnt selten mit Explosionen — sondern mit Geräuschen. Mit Trommeln, die in Medien, Thinktanks und politischen Reden lauter werden, lange bevor der erste Schuss fällt. Auch heute hallen diese Trommeln im Nahen Osten so laut wie seit Jahren nicht mehr. Zahlreiche Spekulationen über eine mögliche militärische Konfrontation zwischen den USA und Iran füllen die internationale Medienlandschaft.

Eine der aufschlussreichsten Einschätzungen zu möglichen Szenarien liefert der pensionierte US-General David Petraeus — ehemaliger Kommandeur der Koalitionstruppen im Irak und in Afghanistan sowie früherer Direktor der CIA. In einem Gespräch mit dem Magazin Foreign Policy (5. Esfand / Ende Februar) analysierte er die technischen und strategischen Dimensionen eines möglichen Krieges.

Die Unbekannten des Krieges

Petraeus beschreibt zunächst den Widerspruch zwischen dem politischen Wunsch nach schnellen, chirurgischen Militärschlägen und den harten geografischen Realitäten Irans.

Er diskutiert Szenarien wie eine sogenannte „Enthauptungsoperation“ — also gezielte Angriffe auf Führungspersonen — betont jedoch, dass ein Krieg gegen Iran keineswegs ein einfacher oder geradliniger militärischer Einsatz wäre.

Das größte operative Problem sieht er in den „Raketen-Kalkulationen“:

Es fehle an präzisen Informationen über Anzahl, Standorte und Mobilität iranischer Raketenwerfer. Diese Ungewissheit erschwere jede militärische Planung erheblich.

Er verweist darauf, dass selbst begrenzte Raketenangriffe, die Abwehrsysteme durchdringen, US-Basen oder ungeschützte Soldaten treffen könnten — ein Risiko, das militärisch nicht trivial sei.

Regionale Risikofaktoren

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist aus seiner Sicht das Netzwerk regionaler Verbündeter Irans — darunter die Hisbollah im Libanon sowie verschiedene Milizen im Irak.

Diese Akteure stellen schwer kalkulierbare Variablen dar, da sie dezentral operieren und eigenständig eskalieren könnten.

Die Evakuierung nicht zwingend benötigten US-Personals aus Teilen der Region interpretiert Petraeus als präventive Risikominimierung — ein Zeichen dafür, dass militärische Vorsorge lange vor einem möglichen Krieg beginnt.

Mögliche Angriffsszenarien der USA

Petraeus skizziert mehrere Optionen:

Demonstrative Militärschläge, um Druck für ein neues Atomabkommen aufzubauen

Enthauptungsoperationen gegen politische oder militärische Führung

Anhaltende Luftkampagnen zur Zerstörung von Raketen- und Nuklearinfrastruktur

Angriffe auf Drohnenbasen und militärische Zusatzkapazitäten

Er verweist darauf, dass hunderte Kampfflugzeuge, regionale Flottenverbände und Tomahawk-Marschflugkörper massive Zerstörungskraft entfalten könnten.

Doch militärische Fähigkeit bedeute nicht automatisch strategischen Erfolg.

Logistische Grenzen

Ein zentrales Problem sieht Petraeus im Mangel an verlässlichen regionalen Basen.

Golfstaaten könnten zwar ein geschwächtes Iran begrüßen, fürchten jedoch:

Flüchtlingsbewegungen

regionale Instabilität

Erstarken radikaler Gruppen

Diese Sorgen begrenzen ihre Bereitschaft zur offenen militärischen Unterstützung.

Regimewechsel — realistisch?

Hier äußert Petraeus deutliche Skepsis.

Er verweist auf:

die strukturelle Stärke der Revolutionsgarden

die breite Präsenz der Basij-Milizen

fehlende Spaltung innerhalb der Sicherheitsapparate

das Fehlen einer geeinten Oppositionsführung

Selbst bei Ausschaltung der obersten Führung sei unklar, ob das System kollabieren würde.

Informations- und Aufklärungskapazitäten

Petraeus betont die umfangreichen US-Aufklärungsmöglichkeiten:

Satellitendaten

Cyber-Intelligence

geografische Analysen

Kooperation mit israelischen Diensten wie dem Mossad

Dennoch gebe es weiterhin blinde Flecken — insbesondere bei mobilen Raketenplattformen.

Was könnte Iran tun?

Auf iranischer Seite sieht er mehrere asymmetrische Optionen:

Blockade der Straße von Hormus

Angriffe durch Schnellboote

Drohnenoperationen

Aktivierung regionaler Verbündeter

Er erwähnt zudem Risiken für Schifffahrt und Energiehandel, auch wenn US-Kriegsschiffe über starke Verteidigungssysteme verfügten.

Rolle von China und Russland

Petraeus erwartet keine direkte militärische Intervention.

Russland sei durch den Ukraine-Krieg gebunden, China würde vermutlich eine Beobachterrolle einnehmen und seine Energieversorgung anderweitig absichern.

Wer ist David Petraeus?

Petraeus ist weit mehr als ein pensionierter General.

Er verbrachte 37 Jahre im Zentrum der US-Militärstrategie, kommandierte 2007 die Truppenaufstockung im Irak („Surge“) und prägte die moderne Aufstandsbekämpfungs-Doktrin.

Sein Einfluss reichte über Irak hinaus bis nach Afghanistan und Pakistan. In dieser Zeit stand er auch indirekt im Kontakt mit Qassem Soleimani — ein Hinweis darauf, wie sehr militärische Konflikte auch von verdeckter Kommunikation begleitet werden.

Fazit

Petraeus’ Analyse ist weniger eine Kriegsprognose als eine Kartografie der Unsicherheit.

Sie zeigt, dass ein möglicher Krieg zwischen den USA und Iran kein kurzer Schlagabtausch wäre, sondern ein komplexes Geflecht aus militärischen, regionalen und politischen Unbekannten.

Der eigentliche Kern seiner Einschätzung lässt sich so zusammenfassen:

Kriege beginnen oft dann, wenn Entscheidungsträger glauben, alle Variablen zu kennen — obwohl gerade die wichtigsten noch im Nebel liegen.

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